Schuhpflege [1] – Nepal Trek Evo x Grangers G-Wax

Wie pflege ich meine Wander- und Bergschuhe richtig? Ich arbeite in einem Fachgeschäft für Outdooraktivitäten und Bergsport und kriege diese Frage immer mal wieder gestellt. Auch ich selbst war mir dieser Sache längere Zeit nicht sicher. Denn es gibt Schuhe aus den unterschiedlichsten Materialien und mindestens so viele Pflegeprodukte. Da wäre zum einen der allseits bekannte Imprägnierspray, der einem bei jedem Schuhkauf erneut angedreht wird. Dann gibt es Wachssprays, Cremes mit Wachsanteil und „hochkonzentrierte“ Wachs-Pflegemittel. Doch bevor ich auf Details dazu eingehe, möchte ich erklären, warum eine ordentliche Schuhpflege überhaupt nötig ist.

Warum braucht es Pflege?

Kurz gesagt: Um die Lebensdauer der Schuhe zu erhöhen und deren volle Funktion zu gewährleisten.

Viele Wander- und Bergschuhe, ja selbst Halbschuhe, sind heutzutage mit einer GoreTex-Membran ausgestattet. Diese Membran liegt zwischen Aussenmaterial und Innenfutter und macht die Schuhe wasserdicht. Manch einer mag denken, dass der Schuh ja keine Pflege und Imprägnierung benötigt, wenn er mit GoreTex ausgestattet ist. Dem ist aber nicht so.

Schuhe aus Leder oder einem Leder-Synthetik-Mix sollten regelmässig mit einem Wachs-Pflegemittel behandelt werden. Es nährt das Leder und hält es geschmeidig. Lässt man die Pflege komplett weg, trocknet das Leder irgendwann aus und es können Risse entstehen. Dabei kann auch die GoreTex-Membran beschädigt werden, wodurch der Schuh nicht mehr wasserdicht ist. Das Wachs schützt das Leder ausserdem vor Nässe und Schmutz, imprägniert den Schuh also gleichzeitig. Zusätzliches Imprägnieren mittels Spray ist dann nicht mehr nötig.

Schuhe aus rein synthetischen oder textilen Materialien müssen lediglich regelmässig gesäubert und mit einem Imprägnierspray behandelt werden. Das Wachs-Pflegemittel fällt weg. Die Imprägnierung schützt auch hier die Aussenseite des Schuhs vor Nässe und Schmutz, was für die Langlebigkeit der Materialien sicherlich von Vorteil ist.

In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf die Pflege von Bergschuhen aus Leder mit Hilfe eines Pflegemittels, das hauptsächlich auf Bienenwachs basiert.

Vor der Pflege

Bevor man die Schuhe mit dem Wachs behandelt, empfiehlt es sich, diese gründlich zu säubern. Je nach Grad und Art der Verschmutzung den Dreck einfach wegbürsten oder dann mit lauwarmem Wasser und allenfalls etwas milder Seife nachhelfen. Anschliessend die Schuhe gut trocknen lassen. Die Schnürsenkel entfernt man am besten als erstes. So kommt man mit der Bürste überall hin (z.B. Falten bei Zunge). Auch bei der späteren Pflege lässt man die Schnürsenkel weg.

Achtung:
Schuhe nie an der Heizung, am Feuer oder an sonstigen Wärmequellen trocknen lassen. Leder verträgt hohe Hitze schlecht. Es wird dann spröde und rissig. Das gilt logischerweise auch für das Trocknen der Schuhe nach einer Wanderung, Tour oder sonstigen, feuchfröhlichen Ausflügen. Irgendwo zwischen Keller- und Raumtemperatur sollte passen.

Was man für die Pflege benötigt

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Folgende Utensilien braucht man für die Pflege der Schuhe:

  • Haarföhn
  • Wachs-Pflegemittel (hier Grangers G-Wax)
  • Lappen oder Stück Stoff zum Auftragen
  • bei Rauhleder, kein Muss: Bürste zum nachträglichen aufrauhen,

Die unterschiedlichen wachsbasierten Pflegemittel unterscheiden sich gerne in der Zusammensetzung. „Sno Seal“, ein bekanntes und einfach zu applizierendes Produkt, enthält neben Bienenwachs noch andere, umweltschädigende Stoffe. Auch bei dem hier verwendeten G-Wax, das bluesign-zertifiziert und als „natürlich“ verkauft wird, steht auf der Rückseite der Dose geschrieben, dass man nach Kontakt mit dem Mittel die Hände waschen soll. Ausserdem empfehlen sie, das Mittel mit Hilfe eines Lappens aufzutragen. Dies sind lediglich beiespiele. Was ich versuche zu sagen ist, dass man beim Kauf darauf achten sollte, ein Produkt zu erwerben, dass später nicht unnötig viele schädigende Stoffe an die Natur abgibt.

Die Pflege

Leder erwärmen

Das Erwärmen des Leders hilft dem Wachs beim Einziehen. Es „schmilzt“ dann einfacher. Man wählt also einen Bereich des Schuhs, z.B. rechte Schaftseite, und erwärmt diesen mit dem Haarföhn. Hier ist sehr wichtig, dass

  1. man nicht zu lange an einer Stelle verharrt
  2. genügend Distanz zwischen Schuh und Föhn besteht
  3. der Föhn nicht auf der heissesten Stuffe eingestellt ist

Erhitzt man einen Bereich zu stark, können sich geleimte Stellen lösen und der Schuh wird unter Umständen unbrauchbar. Die richtige Technik wird sich mit der Zeit von alleine einstellen. Lieber vorsichtig und mit genügend Geduld an die Sache rangehen.

Pflegemittel auftragen

Nun kann man mit dem Auftragen des Pflegemittels beginnen. Jeweils kleine Mengen Stück für Stück auftragen und mit dem Lappen ins Material „einmassieren“. Das Pflegemittel soll flächendeckend aufgetragen werden und gut ins Material einziehen. Dabei lieber mehrere dünne Schichten des Pflegemittels auftragen als zu viel aufs Mal und zwischen den Durchgängen jeweils eine kurze Pause einlegen.

Achtung:
Den Bereich um die Ösen nicht vergessen! Hier wird das Leder besonders stark beansprucht. Wenn möglich, die Ösen aus ihrer regulären Position wegdrehen / verschieben und das Leder darunter ebenfalls Pflegen. In der untenstehenden Abbildung sieht man gut, was gemeint ist.

Auch die Falten der Schuhzunge und den eingeklappten Bereich des Leders nicht vergessen! Beides Stellen, die stark beansprucht werden.

optional: Leder aufrauhen

Durch die Behandlung mit dem Wachs bekommt das Leder oft eine andere Optik. Es wird dunkler und im Falle von Rauhleder speckig. Möchte man das Leder seiner ursprünglichen Optik bzw. Haptik wieder näherbringen, kann man es mit einer groben Bürste wieder aufrauhen. Ich persönlich spare mir diesen Aufwand 😉

 

 

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Mit Wachs behandelt (links) und ohne (rechts)

Wie oft?

Wie oft die Schuhe gepflegt werden müssen hängt ganz von deren Einsatz ab:

  • wie oft werden die Schuhe gebraucht?
  • kommen sie bei jeder Witterung zum Einsatz?
  • wie stark werden die Schuhe beansprucht?
  • werden sie nach Gebrauch gut gereinigt?

Auch das ist ein Lernprozess (den ich übrigens selbst erst begonnen habe). Am besten die Schuhe regelmässig kontrollieren und gesunden Menschenverstand walten lassen. Man merkt ja schnell, wenn bei einer Tour im Winter die Schuhe nach 30 Minuten schon vollgesogen sind. Oder wenn das Leder an sich keinen guten Eindruck macht (trocken, spröde, verfärbt, …).

Der ganze Prozess der Pflege benötigt zu Beginn sicherlich etwas Geduld. Aber es macht gleichzeitig auch Spass, oder nicht? Und wenn die teuren Bergschuhe wieder aussehen wie neu, kommt zusätzlich Freude auf.

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