Schneeschuh Grundkurs / Lessons learned

Letztes Wochenende nahm ich an einem dreitägigen Grundkurs für Schneeschuhtouren teil. Während drei Tagen lernten wir, eine eigene, leichte Tour zu planen und durchzuführen. Das Thema Lawinen stand dabei stets im Mittelpunkt. Auch bestimmte Gehtechniken mit den Schneeschuhen in schwierigem Gelände wurden gezeigt und geübt.

Die Tour fand am Flumserberg statt, genauer im Gebiet um den Spitzmeilen und zwischen Spitzmeilen / Maschgenkamm. Mit fünf Teilnehmern plus Bergführer war auch die Gruppe von einer guten, noch kompakten Grösse. Organisiert wurde das Ganze von Höhenfieber.

Kursinhalte

  • Tourenplanung generell
  • Karte und Navigation
  • Wetter und Witterungseinflüsse
  • Lawinen und alles drum herum (Schneekunde, LVS, Rettung, Überlebenstechniken, …)
  • Faktor Mensch
  • Ausrüstung
  • Gehtechniken (Auf- und Abstieg)

 

Die für diesen Beitrag benutzten Fotografien wurden vom Bergführer und den andern Kursteilnehmern gemacht. Ich selber habe keine beigesteuert.

 

Tag 1 – Spitzmeilenhütte

Distanz: ~ 7 km
Marschzeit: ~ 3 h 15 min.
Aufstieg: ~ 400 m

Der Tag

  • Treffpunkt Talstation (Kabinenbahn)
  • Verteilung von Mietmaterial und kurze Einführung zum Thema Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS)
  • Fahrt zum Maschgenkamm (2008 m.ü.M)
  • Einführung zu Karte / Navigation
  • Gemeinsames Lesen und Besprechen vom Lawinenbericht
  • Marsch über Panüöl und Fursch zur Spitzmeilenhütte (2087 m.ü.M.)
  • Bezug unseres Schlags in der SAC-Hütte
  • Tourenplanung für den nächsten Tag und Abendessen
  • Vertiefte Theorie zum Thema Lawinen

Zwei Dinge waren an diesem ersten Tag besonders einprägsam. Zum einen war es das „schlechte“ Wetter, welches uns klar aufzeigte, wie schwierig die Orientierung im Gelände werden kann, selbst mit sonst klar sichtbaren Markierungen. Zum anderen war es mein Teleskopstock, welcher innerhalb der ersten paar Minuten entzweibrach. Wir mussten zu Beginn der Tour ein steiles Stück der Skipiste hinuntergehen. Dabei habe ich mein Gewicht zu stark nach hinten verlagert, bin ausgerutscht und habe versucht, mich mittels Stöcken auf den Beinen zu halten. Das war dann wohl doch etwas zu viel.

Das schlechte Wetter war auch bezüglich Ausrüstung lehrreich. Es hat mir gezeigt, dass G1000 von Fjällräven nicht ganz ausreicht, wenn man Stunden bei Schneefall und Wind unterwegs ist. In einem späteren Beitrag mehr dazu.

 

Tag 2 – Wissmilen

Distanz: ~ 6.3 km
Marschzeit: ~ 3 h
Aufstieg: ~ 500 m

Der Tag

  • Ausgiebiges Frühstück (ein guter Start in den Tag ist sehr wichtig!)
  • Start der Tour von der Spitzmeilenhütte um den Spitzmeilen herum auf den Wissmilen (2483 m.ü.M.)
  • Auf dem Weg dahin Theorie zur Schneedecke mit den verschiedenen Schichten
  • Abstieg vom Wissmilen in Richtung Spitzmeilenhütte
  • LVS-Übung mit LVS, Schaufel und Sonde
  • Rückkehr zur Hütte
  • Apéro zur Feier der geleisteten „Arbeit“ und Abendessen
  • Tourenplanung für den letzten Tag

Tag zwei startete mit prachtvollem Wetter und viel Neuschnee. Die perfekten Verhältnisse, trotz Anstieg des Lawinenrisikos. Für mich aber war die Situation mit dem gebrochenen Stock noch nicht vollständig gelöst. Zwar konnte ich Stöcke der Hüttenwirtin ausleihen, diese hatten aber keine grossen Teller am Stockende. Ohne diese sinkt der Stock im Neuschnee zu stark ein. Glücklicherweise hatte ein Kursteilnehmer Schnur mit im Gepäck, mit der wir den Teller des kaputten Stocks am Geliehenen festbinden konnten. Das Ergebnis funktionierte Tadellos. Und so konnte auch ich den zweiten, technisch anspruchsvolleren Tag bestehen. Danke dafür!

 

Tag 3 – Erdisgulmen und Maschgenkamm

Distanz: ~ 8.7 km
Marschzeit: ~ 4 h 15 min.
Aufstieg: ~ 450 m

Der Tag

  • Ein weiteres ausgiebiges Frühstück und packen unserer Sachen
  • Früher Start Richtung Erdisgulmen (2293 m.ü.M.) über mehrere Hügel und Mulden
  • Steiler Aufstieg zum Erdisgulmen
  • Marsch in Kammlagen mit Mittagspause
  • Abstieg und erneuter Aufstieg zum Maschgenkamm (2008 m.ü.M.)
  • Ausklingenlassen des Wochenendes auf der Terasse beim Restaurant

Tag 3 startete wieder mit tadellosem Wetter. Die Route war aber eine andere und das Gepäck schwerer als am Tag zuvor. Dieser Tag zeigte uns die Grenzen der Schneeschuhe sehr gut auf. Der letzte Teil des Anstiegs auf den Erdisgulmen war steil und die Schneedecke dick und pulvrig. Mit den Schneeschuhen fand man nur sehr schwer halt. Man musste mehrfach mit dem Schuh auf den Schnee eintreten und danach die Zähne unter den Fussballen der Schneeschuhe in den festgestampften Schnee drücken. So ging es dann Schritt für Schritt aufwärts.

 

Lessons learned

  • Immer einen Ersatzstock dabei haben oder dann…
  • Mehrere Meter dünne Repschnur dabei haben, für Reparaturzwecke
  • G1000 von Fjällräven reicht bei schlechtem, stürmischem Wetter nicht
  • LVS und Sonde sind ein Muss bei Touren in alpinem Gelände! Denn…
  • Lawinen kann es immer geben, 100%ige  Einschätzung kaum möglich
  • Vorsicht vor Stolz

Dies war meine erste, über mehrere Tage angelegte Schneeschuhtour in alpinem Gelände. Es hat grossen Spass gemacht, war herausfordernd und äusserst lehrreich. Es ist ein tolles Gefühl, nach einem anstrengenden Aufstieg auf dem Gipfel zu stehen, den Elementen ausgesetzt und das Alpenpanorama geniessend. Ich kann nur jedem empfehlen, an einer solchen Tour bzw. an einem solchen Grundkurs teilzunehmen. Es ist äusserst wichtig, die unzähligen Gefahren der Berge zu kennen. Nicht nur für sich selber, sondern auch für die Gruppe in der man geht.

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